Essen in Hokkaido

Wir sind Vegetarier*innen und haben deswegen erschwerte Bedingungen, in Japan etwas zu essen zu finden, wenn man sich außerhalb der großen Metropolregionen befindet. Für alle nicht Vegetarier könnten wir wahrscheinlich alles empfehlen, es gibt hauptsächlich Fisch und verschiedene Speisen in denen Speck ist und wir sind sicher, dass das alles super schmeckt, aber für alle denen es ähnlich geht wie uns, möchten wir ein paar Tips zusammenfassen.
Am besten ihr sucht euch eine Unterkunft in der ihr frisches Gemüse selbst zubereiten könnt. Ansonsten ist an so ziemlich allem Tier.

Hier ist übrigens auch der grüne Smoothie zu sehen, den 7eleven im Gefrierfach verkauft. Man mixt ihn sich frisch vor Ort und es ist eines der wenigen Getränke, die Charlie in Japan nicht zu süß findet.

Lasst euch nicht von Vegetarisch wirkenden Speisen austricksen! In den meisten Produkten ist Hühnerbrühe, Speck, Bonitoflocken, Rinderextrakt und Gelatine auch wenn man es vielleicht nicht sieht. Hier zum Beispiel haben wir in der Hast ein paar eingelegte Gurken gekauft. Wir hatten seit langem nichts gegessen und wenig Zeit, also haben wir hier nicht genau aufgepasst – im Dressing der Gurken sind natürlich Bonitoflocken (Katsuobushi).

Wir haben ein Sakuramochi (eine Süßspeise) gesehen, in dem Fischprotein war. Und oft fühlen sich die unvegetarischen Zugaben komplett unnötig an. Wir hatten eine Packung Instantnudeln in er Hand, in der Gelatine war. Warum? Veganer haben kaum Chancen, etwas fertiges zu essen kaufen zu können. Wir haben ein Baguette gekauft, das zwar ähnlich weich wie Toast war, aber anstonsten ungefähr wie ein deutsches Supermarkt-Baguette geschmeckt hat. In Deutschland würde so ein Baguette aus Mehl und Wasser bestehen, ein bisschen Hefe, Backtriebmittel, Emulgatoren und Konservierungsstoffe. In Japan enthält das Baguette zusätzlich Ei und Milch. Als wär’s ein Kuchen.
Der 7eleven verkauft nominell vegetarische (sogar vegane) Produkte: Onigiri mit eingelegter Pflaume und mit Algen. Auch im Inari-Sushi konnten wir keine tierischen Zutaten entdecken. Aber dann haben wir im Internet geschaut und erfahren, dass die Sachen selbstverständlich mit Katsuobushi gewürzt wurden, nur dass die Menge so klein ist, dass man sie nicht mehr deklarieren muss. Ein fantastische Information… Bevor wir gar nichts mehr unterwegs essen können kaufen wir die Sachen jetzt trotzdem.

Liste vegetarischer Produkte im Kombini:

Die wenigsten Snacks im japanischen Stil sind vegetarisch (die Kartoffelchips und so schon eher), aber die Kabukicracker sind es eigentlich immer (auch die großen, einzelnverpackten), man kann sie gut daran erkennen, dass irgendwo ein Kabukivorhang (rot-schwarz-grün-gestreift) aufgerdruckt ist – hier: unten in der Mitte.

In allen großen Kombini (7eleven, Family Mart und Lawson) gibt es meistens
Onigiri in Plum und Kombu und Inari-Sushi, bei den Snacks sind die Kabukiage Cracker vegetarisch sowie an der Kasse noch der gelb-oranger “Pizza”Kloß (Pizaman – der vom FamiMa ist am besten) und die Kartoffelrösti (Hashutopoteto)
Außerdem gibt es im FamiMa noch eine Pizzatasche Margarita, die tatsächlich vegetarisch ist (Achtung, das gleiche Produkt im Lawson enthält Fisch!). Natürlich gibt es auch allerlei Kuchiges, da muss man einfach schauen. Sehr lecker finden wir das Oimopan (Süßkartoffelbrötchen) aus dem FamiMa. Generell sind die Süßkartoffel Süßspeisen überraschend lecker und immer wenn wir etwas neues in einer Süßkartoffelversion sehen, probieren wir es und sind eigentlich nie enttäuscht.

Relevante Symbole sind 魚 (sakana, Fisch) und 肉 (niku, Fleisch). Sie stehen meist in einem Verbund mit anderen Kanji, aber wenn sie enthalten sind, kann man davon ausgehen, dass es nicht vegetarisch ist. Falls ihr Produkte findet, die ganz klar kein Fleisch enthalten, bei denen aber trotzdem 肉 auf der Liste steht, handelt es sich wahrscheinlich um Fruchtfleich 果肉 oder Zimt 肉桂 – also unbedenklich ; )
Für alle die Kana lesen können, ist es ganz praktisch, dass die restlichen unvegetarischen Zutaten meistens in Kana geschrieben werden. Typische Vertreter sind hier チキン (chicken) ハム (ham) ベーコン (bacon) ビーフ (beef) ポーク (pork) くつお (katsuo) und natürlich ゼラチン (gelatin). Manchmal haben die Produkte auch eine Liste von “Allergenen”, bei denen dann aber Rind und Fisch nicht immer vermerkt werden.

Manchmal kann man aber auch in Restaurants Glück haben. Hier unsere persönliche Liste für Orte an denen wir in Hokkaido Essen kaufen konnten.
In Utoro haben wir in 2 Lokalen etwas gefunden. Aber nur vegetarisch, nicht vegan. Im Pirikaderikku haben wir eine Pizza Magharita und eine Pilz Pasta gegessen. Das klingt jetzt vielleicht langweilig, aber es war quasi nicht mit den entsprechend Gerichten in Deutschland zu vergleichen. Sehr lecker und der Betreiber des kleinen Ladens war total freundlich. Wir haben auch eine Portion Kartoffelsalat probiert und der war tatsächlich relativ ähnlich zu manchem deutschen Kartoffelsalat – lecker auf jeden Fall.

das Pirikaderikku in Utoro

Am nächsten Tag waren wir zum Mittag in Bon’s Home: Coffee Potato & Guest house. Wir haben dort eine Portion Kartoffeln mit Butter und einen Kartoffelauflauf gegessen. Der Auflauf ist standardmäßig mit Speck, aber es war kein Problem, ihn ohne Speck zu bekommen. Der Auflauf war gut, die Kartoffeln mit Butter waren sehr lecker. Von der Konsistenz her ungewohnt, aber nicht schlecht und auch geschmacklich ziemlich anders als die Sorten, die man in Deutschland im Supermarkt bekommt. Definitiv eine Empfehlung von uns, aber wisst, dass es sich um 3 relativ kleine Kartoffeln handelt, also mit viel Hunger lieber gleich 2 Portionen bestellen ; )

In Kushiro haben wir am ersten Tag im Hamasushi gegessen. Hierbei handelt es sich um eine Sushikette, die einem das Sushi, dass man ein einem Touchscreen am Tisch bestellt auf personalisierten Laufbändern anreicht. Sobald man am Screen ein Gericht auswählt, ist es schon auf dem Weg zum Tisch. Wir waren noch mitten in der Bestellung als plötzlich schon das erste Tellerchen ankam und uns einigermaßen erschreckt hat. Die vegetarischen Sachen sind nicht ganz einfach zu finden, aber man kann das Menü auf Englisch stellen und in der Detailansicht von jedem Eintrag wird einem angezeigt, welche “Allergene” sich im Essen befinden. Da scheinbar das Konzept “vegetarisch” Japaner*innen völlig abgeht, kann man dadurch die eigentliche Filterfunktion, die es tatsächlich gibt nicht benutzen, denn wenn man alle unvegetarischen Inhaltssoffe als “Allergene” angibt, dann bleibt leider kein Produkt mehr übrig (vielleicht die Edamame). Es gibt nämlich eine Trennung zwischen “Zutaten” und “kann enthalten”, da produktionsbedingt fast an allen Gerichten Rückstände von Fisch etc. sind (besonders bei den fritierten Sachen macht das ja auch irgendwie Sinn) werden einem diese Gerichte auch mit einem Ausrufezeichen markiert. Wenn man das aber erstmal verstanden hat, kann man schnell schauen, ob es sich um tatsächliche Zutaten oder nur um Spuren handelt: Zutaten sind in den Allergenicons blau und Spuren grün.
Wir haben alles Vegetarische ausprobiert, was es gab, und es war auch alles lecker, wir waren am Ende sehr satt und wir haben für 2 Personen insgesamt unter 14€ gezahlt. Tee und Wasser gibt es umsonst dazu. Die einzige Irritation war, dass es 3 Versionen Pommes gab (die übrigens genial frittiert waren, auch nachdem sie schon eine Weile rumgestanden hatten, waren sie immer noch total knusprig), eine davon war mit Butter und Sojasauce (also am interessantesten), aber diese Sorte enthält Gelatine und Rind..
Am zweiten Tag wollten wir gerne zu einem vegetarisch/veganen Café gehen, dass auch Curry verkauft aber nachdem bereits der Wanderweg, den wir für den Tag geplant hatten, gesperrt war, hat es uns schon fast nicht mehr gewundert, dass auch das Café, zu dem wir extra eine ganze Weile lang hingelaufen sind, geschlossen hatte, weil der Eigentümer gerade auf einem Farmer’s Market im Nachbarort war. Von außen sah das Café sehr niedlich aus, schade. Dann eben Instant noodles im AirBnB.

Am Sonntag waren wir in Biratori und die Lokale die wir ausprobieren wollten hatten geschlossen, aber wir haben 2 Mikrowellengerichte beim Lawson gefunden, die vegetarisch waren und haben uns also die in der Gemeinschaftsküche im Hostel warm gemacht und sie dort gegessen. Als wir mit den anderen Menschen dort ins Gespräch kamen und eine von ihnen gerade eine Pizza aß, haben wir auch erfahren, warum der Pizzateig im Pikaderikku so anders geschmeckt hat: Japaner machen auch in ihren Pizzateig Milch und Eier! Wir sind uns nicht mal sicher, ob überhaupt Hefe dran ist. Da auch das Topping anders ist, besitzt eine japanische Pizza mit einer italienischen Pizza vor allem optische Gemeinsamkeiten.

In Noboribetsu haben wir an der Rezeption unseres Hostels gefragt, ob sie uns etwas empfehlen könnten, was vielleicht vegetarische Sachen anbietet und wurden auf einen nahegelegenen Yakitori-Laden verwiesen. Mit dieser Empfehlung gewappnet, machten wir uns auf den Weg und erklärten also der Bedienung, dass jemand anderes schon erklärt hätte, dass es für sie möglich ist, einfach Gemüse zu braten und das wir gerne das hätten. Daraufhin wurde uns in der Karte die Gemüsesektion gezeigt. Wir sind uns nicht sicher, ob das auch funktioniert hätte, wenn wir einfach gefragt hätten, ob etwas Vegetarisches im Angebot ist, denn Japaner scheinen tatsächlich im Allgemeinen gar kein Konzept davon zu haben, was das ist und sagen dann lieber direkt “nein, das geht nicht”. Wir haben uns quer durch das Gemüseyaki und die fleischlosen Tempura probiert und waren voll zufrieden! Alle waren auch sehr freundlich zu uns und wir haben nur auf einem Gericht Bonitohobel bekommen ; ) Wir haben sie jetzt aufgeklärt, dass auch das nicht vegetarisch ist und wenn ab und zu jemand vorbeikommt, der vegetarisches Essen bestellt, dann werden sie es sicherlich nicht vergessen. Wir lernen viel in Japan und hoffen, dass auch die ein oder der andere etwas von uns lernt.

In Onumakoen haben wir 3 Sorten Kartoffelzubereitung gegessen. Es ist für uns ein bisschen verrückt “Jagabataa” (“KartofButter”) zu bestellen und eine kleine aufgeschnittene Kartoffel mit ein bisschen Butter daneben mit Stäbchen zu essen, aber es schmeckt gut und wir freuen uns, dass kein Tier zu Schaden gekommen ist. 😀 Außerdem hatten wir noch “Bataajaga” (“ButterKartof”), was das gleiche ist, und “Imodango” (“toffelkloß”), was ein sehr unspektakuläres Gericht ist.
In Hakodate selbst haben wir nichts gegessen, weil wir am Abend ja noch nach Hachinohe fahren und dort in einem Restaurant essen wollten, dass bei den vegetarischen Läden auf dem Blog des Michinoku Coastal Trails erwähnt wird. Spoiler, das Restaurant existiert nicht.


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