
Wir sind rechtzeitig in Biratori angekommen, um noch in die Ausstellungen gehen zu können. Hier gibt es eine Art “Schaudorf” der indigenen Bevölkerung Hokkaidos. Die Ainu wurden damals von den japanischen Besatzern stark dezimiert und ihre Kultur und Sprache unterdrückt. Heute leben zwar immer noch Ainu auf Hokkaido, aber da die Insel von Japan annektiert wurde, mussten sie sich in die japanische Gesellschaft integrieren. Die Ainu selbst hatten kein Konzept von Grundbesitz und so hatten die Japaner damals ein leichtes Spiel, den Boden für sich zu beanspruchen und so zu tun, als hätte vorher niemand dort gelebt – schließlich hatte sonst niemand einen Anspruch auf das Land erhoben. Und so wurde diese eigentlich sehr gute Einstellung den Ainu zum Verhängnis.
In Niptani, einem Viertel von Biratori, gibt es mit 80% den höchsten Prozentsatz an Ainu-Einwohnern im ganzen Land und mehrere kleine Museen bzw. Sammlungen zeigen die Handwerkskunst und Lebensweise der damaligen und heutigen Ainu. Wichtig ist es der Ausstellung dabei klarzumachen, dass die Ainu nicht in der Vergangenheit verhaftet sind, sondern durchaus mit der Zeit gehen, ohne ihre Traditionen gänzlich zu vergessen.
Man kann hier viele schöne, handgefertigte (aber auch Laser-gefräste) Holz-Artikel und Stoffe erwerben – alles mit den traditionellen Mustern verziert. Und in einem Ainu-geführten Hostel übernachten (was wir getan haben). Leider war am Abend der Tresen nicht mehr besetzt und so konnten wir uns nicht nochmal nach der Aussprache von Cip ta cikap kamuy erkundigen.


Dafür waren aber andere freundliche Menschen mit uns dort. Zum Beispiel Hajime Shinjo, ein Okinawaer, der eine Verbundenheit mit den Ainu verspürt, weil Japan bei der Annexion von Okinawa ähnlich verfahren ist, wie mit Hokkaido. Dieser Geist der Verbundenheit passt gut zum Ansatz in diesem “Kotan” (“Dorf” auf Ainu), denn es gibt hier auch eine Ausstellung der Sammlung von Shigeru Kanyano. Diese zeigt im zweiten Stock die Kultur anderer indigenen Völker in Fotos und Gegenständen, um Solidarität zwischen den verschiedenen Kulturen zu erzeugen, denen ein ähnliches Schicksal widerfahren ist. Kanyano selbst lernte die Sprache und Tradition der Ainu übrigens hauptsächlich von seiner Großmutter und setzte sich später stark für die Anerkennung und den Schutz der Ainu-Kultur ein.

Wir trafen auch eine ältere Dame, die mit ihrem Mann zur ehrenamtlichen Arbeit gekommen war. Eigentlich ist sie Bäuerin und hat früher auch eine Herberge, auf ihrem Hof betrieben, aber das wäre heute zu stressig für sie – nebenbei ist sie nämlich auch Lehrerin für das Nähen von Omamori! Omamori sind eine Art Glückbringer, in diesem Fall kleine menschliche Figuren aus Stoff genäht und an roten Fäden aufgehängt. Früher hat man sie bei Kindern zum Schutz auf die Schultern des Hemds aufgenäht, aber das wird heutzutage nicht mehr gemacht. Auf unser Interesse hin, wurde uns natürlich spontan ein handgenähtes Omamori geschenkt, das uns jetzt also auf unserer restlichen Reise beschützen kann! Sie führt auch schon seit 17 Jahren einen Blog, wer Japanisch versteht kann ihn sich hier anschauen.

















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