An unserem ersten richtigen Tag in Japan haben wir mit einer Reisegruppe den Shiretoko Goko Kokuritsukouen (Shiretoko 5-Seen Nationalpark) besucht. Das Wetter hätte nicht besser sein können, und unsere Reisegruppe war freundlich. Unser Gruppenleiter, Makoto Yamasaki von Picchio, kannte sich sehr gut aus und konnte auch auf obskure Fragen Antworten 😀 Außerdem war sein Englisch sehr gut und so konnten wir uns darauf verlassen, dass selbst wenn wir in der japanischen Erklärung etwas nicht verstanden hatten, er für uns noch mal alles detailliert übersetzen würde. Noch ein sehr praktisches Feature an den Picchio Touren ist, dass sie einen am Hotel oder an der Roadside station abholen und direkt zum Nationalpark bringen. Da wir ohne Auto unterwegs sind, war das wirklich super und hat auch gut geklappt! Für alle, die einen ähnlichen Trip planen, können wir das nur empfehlen, denn ansonsten ist man sehr auf den Bus angewiesen (vor allem für den Rückweg etwas unpraktisch, weil der Bus natürlich auch nicht direkt ans Hotel fährt und nicht zufällig zu den Zeiten, zu denen man ihn gerne nutzen würde).
Leute scheinen davon überrascht zu sein, dass unser erster Aufenthalt in Japan hier in Utoro ist – wir verstehen nicht ganz warum, schließlich ist es hier wunderschön. Wir können es sehr empfehlen. Im Winter kann man hier ein andere Art Tour durch den Nationalpark machen, mit Schneeschuhen und über die Seen, statt an ihnen vorbei. Außerdem kann man auf der anderen Seite der Halbinsel, in Rausu, Whale-Watching betreiben: Es gibt Orcas und Pottwale, die offenbar nicht mal die Boot versenken, sondern sie nur manchmal spielerisch umschwimmen.

Nun aber erstmal einige Eindrücke von der Tour, die wir gemacht haben, und natürlich ein Countdown der fünf Seen (die Wanderroute fängt bei See 5 an und arbeitet sich zu See 1 runter). Man kann uns an den Fingern ablesen, bei welchem See wir gerade sind. ; )
Im Shiretoko Nationalpark leben Braunbären – auf der gesamten Halbinsel sogar über 500 Stück. Es gibt 3 Wege, auf denen man das Gelände durchqueren kann: auf einem erhobenen Plankenweg, der 800 Meter lang zwischen dem ersten See und dem Meer entlang führt – diesen Weg kann man jederzeit betreten, da er auf Pfählen über dem Boden entlangführt und mit einem Elektrozaun geschützt ist; und zwei Rundwege, einen langen, bei dem man alle Seen sieht und einen kurzen, der nur See 1 und 2 beinhaltet. Beide führen über den Plankenweg zurück.

Wir sind den etwa 3km langen großen Rundweg gelaufen und waren etwas nervös, denn dieser Weg ist nicht weiter vom Territorium der Bären getrennt. Zwar ist bei unserem Führer noch nie etwas passiert, aber das liegt an den rigorosen Sicherheitsvorkehrungen. Wenn man einen Bär vor sich sieht, muss man sich langsam wegbewegen und das Gelände verlassen, der ganze Weg (mit Ausnahme des Planken-Rundwegs) wird dann für sämtliche Besucher*innen gesperrt! Am Tag als wir kamen, war der Park bereits einmal wegen einer Bärsichtung gesperrt worden und wir waren also sehr aufmerksam und vorsichtig und hatten immer im Hinterkopf möglicherweise umkehren zu müssen. Die Gruppenleiter haben alle Walkie-Talkies und stehen mit der Zentrale am Infopoint in Kontakt und tatsächlich: Als wir kurz vor dem zweiten See (also dem letzten See vor dem sicheren Planken-Weg) waren, meldete sich eine Gruppe, die auf der anderen Seite des dritten Sees war: Ein Bär war 20 m vor ihnen über den Weg gelaufen! Die andere Gruppe musste umkehren, aber da der Bär hinter uns auf der Strecke war, konnten wir unsere Tour fortsetzen. Makoto erhöhte allerdings die Frequenz seiner Warnrufe (2 mal klatschen, 2 mal “Hoi!” rufen, um eventuell vorbeiziehenden Bären zu signalisieren, dass wir da sind und sie am besten gar nicht erst in diese Richtung gehen sollten) und wir waren erleichtert, als wir den Plankenweg erreichten, auf dem wir geschützt nach dem Bären schauen konnten. Leider hat er sich dann nicht mehr gezeigt, aber das war auch okay, denn die Aussicht war auch ohne Bären fantastisch.
Wir konnten aber klar Bärenspuren erkennen. An manchen sumpfigen Orten war der Boden aufgegraben, denn die Bären haben nach ihrem Lieblingsgemüse gesucht – den Wurzeln des Stinkkohls, und an einem Baum, an dem Wilder Wein wuchs, ist ganz offensichtlich ein Bär hochgeklettert, um die Trauben zu ernten. Dabei hat er ganz schön beängstigende Krallenspuren hinterlassen!


See Nummer 5. Er ist relativ klein und in ihm sind, anders als in den anderen vier, keine Fische oder Seerosen. Die Seerosen und Fische wurden beide von Menschen eingeführt: die Seen haben keine Zu- oder Abflüsse. Die Fische waren zum Verzehr gedacht, die Seerosen zum Betrachten.


See Nummer 4. Wie alle Seen an diesem Tag war das Wasser spiegelglatt und man konnte die Berge doppelt sehen, ohne betrunken zu sein.

See Nummer 3. Als wir gerade einmal um den See herumgelaufen waren, wurde auf der anderen Seite ein Bär gesichtet. Wir haben nur eine Ente gesehen und konnten unseren Weg fortsetzen.

See Nummer 2. Der größte der Seen und auch er ein perfekter Spiegel. Es fiel uns sehr schwer uns hier für Bilder zu entscheiden – obwohl wir keine Profi-Fotografen sind, waren fast alle Bilder wunderschön. Aber wir haben uns durchgerungen eine Auswahl zu treffen. Schaut mal, ob sie euch gefällt!

See Nummer 1. Geschafft! Ein wunderschöner See, aber er konkurriert vom Planken-Weg aus mit dem Meer – fast ein bisschen unfair.
Genau genommen handelt es sich bei diesem Meer um das Ochotskische Meer, das im Osten durch die Kurilen vom Nordpazifik “getrennt” ist, aber für uns hat es sich schon angefühlt, wie der Pazifik, denn die Kurilen sind ja nur ein sehr durchlässiger Inselgürtel – keine starke Trennung ; )




















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